Freitag, 28. November 2008

Haus der Lügen



Nachdem der Bundestag vor sechs Jahren beschlossen hatte, das Berliner Stadtschloss wieder aufbauen zu lassen, hat heute eine Jury entschieden den italienischen Architekten Franco Stella mit diesem Vorhaben zu betrauen. Stella legte einen Entwurf vor, der sich strikt an die Vorgabe des Bundestages hielt, die barocke Fassade des Hohenzollernschlosses möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Dabei erscheint die Geschichte um die Wiedererichtung dieses Schlosses wie eine Metapher auf die jüngste deutsche Vergangenheit: Der Palast der Republik wird abgerissen - dafür das alte Preußenschloß wieder aufgebaut und das in einer Stadt, von der aus das Bauhaus dereist die Welt der Architektur revolutionierte, bevor deren Vertreibung eine klaffende kulturelle Lücke hinterließ. Nur ein Land das nichts mehr mitzuteilen hat, dessen Vitalität ermattet ist und das keine Visionen mehr entwickelt, errichtet ein solches Haus der Lügen - die Fassade ist eine Lüge, seine Repräsentativität ist eine Lüge, der Nutzwert ist eine Lüge und die Baukosten sind eine Lüge.

Foto: Entwurf des Stadtschlosses, Quelle DPA

Mittwoch, 26. November 2008

Gehen Sie mit der Konjunktur....

Wenn man vor einigen Monaten in Deutschland das Wort "Konjunkturprogramm" in den Mund nahm, ertönte postwendend ein dumpfes Grollen, das klang wie "Strohfeuer" oder "verbranntes Geld". Selbst jetzt, wo ein Großteil der Industrienationen damit beschäftigt ist, eben solche Programme aufzulegen, um die konjunkturellen Folgeschäden der weltweiten Finanzkrise zu bekämpfen, herrscht in Deutschland diesbezüglich eine merkwürde Zurückhaltung.

Dabei sind Investitionen in unsere Bildungseinrichtungen (Schulen, Unis, Kitas) keineswegs verbanntes Geld - denn bis vor kurzem lautete der allgemeine Konsens ja noch, dass wir auf diesem Gebiet ohnehin Geld in die Hand nehmen müssten. Also wäre es klug dies jetzt (antizyklisch) zu tun, da dadurch einerseits die Konjunktur angekurbelt würde und man sich andererseits den Umstand zu nutze machte, dass die Rohstoff und Güterpreise sinken (Deflation) Anders gesagt: Das Geld wird während einer Deflation MEHR wert, ergo sollte man jetzt investieren.

Zusätzlich wäre eine temporäre Mehrwertsteuersenkung ebenfalls sinnvoll, da diese direkt an den Konsum gebunden ist und alle Bevölkerungsschichten erreicht; gleichzeitig sorgt die zeitliche Begrenzung dafür, dass die öffentlichen Haushalte nicht langfristig strukturell belastet werden und der Konsum in einem klar umrissenen Zeitfenster stattfindet. Der schärfere Wettbewerb während der Deflation wird dafür sorgen, dass die Senkung an den Kunden weitergegeben wird und selbst wenn nicht: Letztlich SOLL das Geld ja beim Handel landen - das ist der Sinn der Sache. Es geht diesmal nicht um Sozialpolitik oder "strukturelle Wirtschaftsreformen", sondern um einen konjunkturellen Stimulus!

Zur Finanzierung: Der Ausdruck Deficit Spending besagt ja schon was passieren muss. Man nimmt Fremdkapital auf! Warum? Weil eine ungebremste Rezession noch wesentlich teuerer kommen würde als eine gedämpfte. Denn immerhin schafft man durch vorgezogene Investitionen gewisse Werte (Einkommen, Aktiva) die man dem aufgenommen Fremdkapital gegenüberstellen kann, bei einem ungebremsten Wachstumseinbruch hingegen wäre das Geld schlicht futsch - ohne Gegenwert! Letzteres wäre WIRKLICH verbranntes Geld