
Nachdem der Bundestag vor sechs Jahren beschlossen hatte, das Berliner Stadtschloss wieder aufbauen zu lassen, hat heute eine Jury entschieden den italienischen Architekten Franco Stella mit diesem Vorhaben zu betrauen. Stella legte einen Entwurf vor, der sich strikt an die Vorgabe des Bundestages hielt, die barocke Fassade des Hohenzollernschlosses möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Dabei erscheint die Geschichte um die Wiedererichtung dieses Schlosses wie eine Metapher auf die jüngste deutsche Vergangenheit: Der Palast der Republik wird abgerissen - dafür das alte Preußenschloß wieder aufgebaut und das in einer Stadt, von der aus das Bauhaus dereist die Welt der Architektur revolutionierte, bevor deren Vertreibung eine klaffende kulturelle Lücke hinterließ. Nur ein Land das nichts mehr mitzuteilen hat, dessen Vitalität ermattet ist und das keine Visionen mehr entwickelt, errichtet ein solches Haus der Lügen - die Fassade ist eine Lüge, seine Repräsentativität ist eine Lüge, der Nutzwert ist eine Lüge und die Baukosten sind eine Lüge.
Foto: Entwurf des Stadtschlosses, Quelle DPA
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